Die kleine graue Maus hielt zitternd ihr Näschen in die Luft und schnupperte. Wie gewohnt vernahm sie den Duft von frisch gebratenem Speck als erstes. Dann sah sie die gerösteten Mandeln und den Käse vor sich. Die Nussberge. Wahrlich ein Festschmaus, von dem man sich Fett für das ganze Jahr anfressen konnte, während man es sich bei einem molligen Kaminfeuer bequem machte. Das Paradies! Weihnachten, wie die Menschen es nannten. Die kleine graue Maus seufzte verträumt. Es musste herrlich sein. Dann öffnete sie wieder die Augen und schaute durch den trüben, wolkenverhangenen Dezembertag sehnsuchtsvoll den Hügel des Buchenwaldes hinab zu dem Haus der Menschen. Man roch ihn nur ganz schwach, den Duft aus weiter Ferne nach Gebratenem, nach Gebackenem, nach Geröstetem, nach Geräuchertem, nach einem Festschmaus. Wie himmlisch es wohl erst im Haus der Menschen selbst riechen mochte?
Seit Feliditas die kleine graue Maus aus ihrem Heim vertrieben hatte, seit das letzte Herbstblatt gefallen war und die Pfützen seltsam hart und glatt wurden und kaltes, weißes Zeug vom Himmel fiel, kam die kleine graue Maus jeden Tag hierher. Zwischen den Brennesselpflanzen duckte sie sich, während zwei kleine Knopfaugen, groß wie zwei Wasserperlen, wie gebannt das Haus der Menschen beobachteten. Die kleine graue Maus zitterte in der Kälte. Es fing wieder an zu schneien. Das leuchtende Gebäude in der Ferne, es leuchte dort wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Ein besserer Ort. Ohne Hunger. Ohne Kälte. Ohne Gefahren. Und er rief sie mit seinen himmlischen Gerüchen zu sich.
Hinter ihr waren nur die Krallen ihrer Schwester und hier war es kalt, zwischen den fallenden Schneeflocken. Sie schnupperte erneut in der Luft, während sie das warme Kaminfeuer im Haus beobachtete. Direkt dort vor ihr lag das Paradies. Also warum hier in der Winterkälte auf den Tod warten?
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